Wettbewerb Neubau Ortszentrum Techelsberg                    1. Preis

Verfahren: Geladener Realisierungswettbewerb
Auslober: Gemeinde Techelsberg
Beurteilung: 1.Preis
Team: spado architects
mit Architekt Ernst Roth, Modell: Clemens Rainer

GENIUS LOCI
Die Gemeinde Techelsberg am Wörther See erstreckt sich vom Nordufer des Wörthersees bis hin zu den höchsten Erhebungen am Ossiacher Tauern. Im Jahr 2001 verzeichnete die Gemeinde 2.059 Einwohner, die sich auf 17 Ortschaften verteilen. St. Martin am Techelsberg als zentral gelegene Ortschaft zwischen Berg und See mit einer Vielzahl an öffentlichen Einrichtungen stellt sich zur Zeit als „Straßendorf“ ohne definierte Mitte dar. 
Identitätsstiftend sind die Panoramalage mit den vielfältigen Blickbeziehungen Richtung südöstlicher Landschaftsraum und das bauliche Ensemble bestehend aus Kirche und Kaplanei.

GRUNDIDEE 
Zielsetzung des vorliegenden Entwurfes ist es, der Ortschaft St. Martin am Techelsberg eine „Mitte“ und damit der Gemeinde Techelsberg am Wörther See eine verortete Identität zu geben. Im Sinne Wolfgang Meisenheimers handelt es sich dabei um eine „suggestive Mitte“, die uns als Ausdrucksqualität stärker berührt als andere figurative Merkmale. „Was da wirkungsvoll bleibt – nicht nur in Fotos, sondern auch vor Ort – ist die Entdeckung der eigenen, 
subjektiv empfundenen Körpervorstellung, insbesondere das Gefühl für die Körpermitte als Ort des Ich.“ 
(Wolfgang Meisenheimer) 
Eine neue, in diesem Sinne „Mitte“ schaffende Baukörperkonfiguration ersetzt die Bestandsbauten.

STÄDTEBAU / ORTSRAUM 
Der neue Baukörper fungiert raumbildend zum Ort, mit Blickbeziehungen zu Kirche, Pfarrhaus, Kaplanei und Gastwirtschaft. Gefasst durch das neue Gemeindehaus entsteht als klar definierte Mitte der zentrale, maßstäbliche 
Platz als verortete Identität und Angelpunkt des Ortsraumes. 
Der Versammlungssaal ist als „Landmark“ inmitten des baulichen Ensembles konzipiert und orientiert sich zum Platz und in Blickrichtung südöstlicher Landschaftsraum. Durch diese Verbindung werden die identitätsstiftenden Elemente des Ortes akzentuiert. Der Dorfplatz mit Linde bildet mit der Aussichtsplattform im Süden einen multifunktionalen, durchgängigen Freiraum. Durch die Situierung des neuen Baukörpers wird die Ecksituation an der Landesstraße entschärft. Die gesicherte, entsprechend breite Fußweganbindung des Platzes im nördlichen Bereich erfolgt durch Treppenanlage und Rampe. Der Platzraum wird im Bereich der Landesstraße durch markierte, in 
Massivsteinpflaster ausgeführte Fußgängerübergänge definiert. Die Fußwege entlang der südlichen Landesstraßenseite bis zur Schule werden aufgewertet und sicherheitstechnisch verbessert. Unter Ausnutzung der Geländesituation werden überdachte Stellplätze für die Gemeinde geschaffen. Ein barrierefreier Stellplatz kann temporär auf Platzniveau angeboten werden. Der Parkplatz der Gastwirtschaft Ulbing wird in die Gestaltung miteinbezogen. Die Stellplätze werden drainagefähig befestigt, die Zufahrten mit Grobkiesasphalt versehen und der gesamte Bereich mit niedrigen, schattenspendenden Bäumen in den Ortsraum eingebunden.

FUNKTIONEN 
Alle wesentlichen Funktionen befinden sich auf Platzebene, Teilbereiche werden im Untergeschoß untergebracht. Die Innenbereiche des Gebäudes sind eng mit den Außenbereichen des Platzes verzahnt, es entstehen fließende Übergänge. Der Dorfplatz „verschmilzt“ mit den Bereichen Foyer, Bürgerservice und Kommunikation. Der Mehrzwecksaal kann großzügig zum Platz als erweiterten 
Zuseherraum hin geöffnet werden. Die Aussichtsplattform ist sowohl während der Öffnungszeiten der Gemeinde als auch außerhalb benutzbar. Der Funktionsablauf entspricht den Anforderungen eines in jedem Sinne barrierefreien Gemeindehauses, mit dem sich die Bewohner von Techelsberg identifizieren können und dessen Transparenz und Signalwirkung einladenden Charakter entfaltet. 
Durch das Nebeneinander von Funktionen wie Foyer, Kommunikation und Bürgerservice entsteht Großzügigkeit. Die räumliche Nähe der Funktionen „Postpartner“, Bürgerservice, Kommunikation, multifunktionaler und bespielbarer Saal und Automat mit regionalen Produkten verspricht eine hohe Nutzerfrequenz für Platz und Gebäude. Im Falle von externen Nutzungen des Saales können die Verwaltungsbereiche einfach abgetrennt werden. 
Die Bereiche Bürgerservice, Buchhaltung und Bauamt stehen in Blickkontakt zueinander und können dadurch entsprechend gut bedient werden. Im etwas ruhigeren nordöstlichen Gebäudetrakt mit direktem Blickkontakt zum Dorfplatz befinden sich die Büros für Bürgermeister und Amtsleiter samt Besprechungsraum für interne Angelegenheiten. 
Ein barrierefreies WC steht auf Platzniveau zur Verfügung, die allgemeine Sanitäranlagen befinden sich im Untergeschoß. Hier sind auch die Bereiche Wassermeister, Technik und Archiv untergebracht. Die vertikale Verbindung wird durch ein zentral gelegenes Treppenhaus mit Luftraum hergestellt. Hier 
kann bei Bedarf ein Aufzug/Treppenlift eingebaut werden.

BAUKUNST 
Das neue Gemeindehaus positioniert sich durch seine eigenständige Formensprache selbstbewußt im stark kupierten Ortsraum. Im Dialog mit dem historischen und gewachsenen Umfeld wird ein Platzraum, eine klar definierte Ortsmitte gebildet.Der Gemeindesaal ist sichtbares „Landmark“, während die Verwaltungsbereiche mit ihrer extensiven Dachbegrünung in den Hintergrund treten. 
Der Saal wird durch ein Oberlicht optimal und geschickt mit Tageslicht versorgt. Die Bereiche Bürgermeister, Amtsleiter und Besprechung werden durch die Kombination Verglasungen zum Platz und Oberlicht mit Tageslicht umspült. Für eine optimale Belüftung sorgen die öffenbaren 
Oberlichter. Die Oberfläche des Platzes ist eine wertige und maßstäbliche Kombination aus Natursteinpflaster und 
gebundenen Kiesflächen. Die erdberührten Bereiche werden als Betonbau ausgeführt. Die oberirdischen sind als Kombination aus Massiv- und Holzbau angedacht.

ÖKONOMIE 
Durch den sensiblen Umgang mit der bestehenden Topographie werden aufwändige Stützwände und Aufschüttungen vermieden. Die Nutzflächen des Platzes und des Gebäudes sind flächenmäßig optimiert. 
Die Attraktivität der Nutzungen auf Platzebene führen zu einer hohen und somit in weiterer Folge wirtschaftlichen Nutzerfrequenz. Materialien und Oberflächen sind auf eine lange Lebensdauer und wirtschaftlichen Betrieb ausgerichtet.



 
 
   
   

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